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Berufsverbleib und Wiedereinstieg von Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein

Eine Studie im Auftrag der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein

Studienziel

Die Studie verfolgte das Ziel, Bedarfe von Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein für ihren Berufsverbleib zu erfassen. Darüber hinaus wurden ihre Empfehlungen für einen Wiedereinstieg ihrer aus dem Beruf ausgestiegenen Kolleg*innen aufgenommen und das Potential für die Erhöhung des Beschäftigungsumfangs von in Teilzeit beschäftigten Pflegefachpersonen erhoben.

Design & Methodik

Aufbauend auf dem Konstrukt der Arbeitszufriedenheit wurde eine onlinebasierte standardisierte Befragung konzipiert. Die Befragung richtete sich an die Mitglieder der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein[1]. Nach Entwicklung und Pretest des Instrumentes stand die Feldphase der Studie von April bis Mai 2020 in vorher nicht zu kalkulierender Weise im Schatten der Corona-Pandemie vor einem zeitlich stark gerafften Hintergrund. Die Auswertung der umfangreichen Freitextrückmeldungen erfolgte bis März 2021.

Ergebnisse

Trotz des herausfordernden Umstandes aufgrund der Covid-19-Pandemie ist die Umfrage 2550-mal geöffnet worden, 1893 Datensätze wurden in die Auswertung eingeschlossen. Die Studienteilnehmer*innen verfügten im Schnitt über 23 Jahren Berufserfahrung in der Pflege, 77 % sind Frauen.

Die Erhebung der differenzierten Arbeitszufriedenheit ergibt nach einer ersten deskriptiven Auswertung der Daten eine überwiegende Zufriedenheit der Studienteilnehmenden  mit ihrem unmittelbaren Beziehungskontext zu Kolleg*innen und direkten Vorgesetzten. Mehrheitlich gefällt den Pflegefachpersonen ihr Beruf, sie üben die pflegerische Tätigkeit gerne aus. Es zeigt sich, dass sowohl die Berufserfahrung als auch der Beschäftigungsumfang keinen wesentlichen Einfluss auf das Ausmaß der Arbeitszufriedenheit ausüben. Allerdings sind die befragten Pflegefachpersonen eher unzufrieden mit ihrem Gehalt und den Arbeitsbedingungen sowie mit Organisation und Leitung der Einrichtungen, in denen sie tätig sind.

Mit dem Blick auf maßgebliche Ausstiegsgründe von aus dem Pflegeberuf ausgestiegenen Kolleg*innen, verweisen die Befragten auf die Felder Arbeitszeit, Gehalt und Organisationskultur. Ihrer Einschätzung nach sind für potenzielle Wiedereinsteiger*innen die Felder Arbeitsbedingungen, Personalknappheit, Gesundheit, Anerkennung und Gehalt. Ihrer Einschätzung nach sind für potenzielle Wiedereinsteiger*innen die Felder Wertschätzung, Arbeiten im Einklang mit dem eigenen Berufsethos, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Organisationskultur und Personalentwicklung von entscheidender Bedeutung.

Als ein Mittel zur Lösung der Personalprobleme in der Pflege diskutiert man allenthalben die Erhöhung des Beschäftigungsumfanges von Teilzeitbeschäftigten. 51 % der Befragten arbeiten in Vollzeit, 49 % in Teilzeit. Einer Erhöhung ihrer Arbeitszeit stehen die teilnehmenden Teilzeitbeschäftigten mehrheitlich ablehnend gegenüber. Die Befragten berichten, dass insbesondere der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf komplexe Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen entgegenstehen.

Die derzeit herrschenden Arbeitsbedingungen können dazu führen, dass Pflegefachpersonen sich mit dem Gedanken tragen, aus dem Beruf auszusteigen. Dies zeigen die unerwartet ausführlichen Eintra-gungen in die ergänzenden Freifelder. Dies zeigen die unerwartet ausführlichen Eintragungen in die ergänzenden Freifelder. Vielfach finden sich Hinweise, dass hierfür der durch die aktuellen Bedingungen verursachte physische und psychische Leidensdruck, das belastete Berufsethos und das Gefühl fehlender Wertschätzung den Ausschlag geben. Auch die monetäre Entlohnung wird als zu niedrig angesehen. Häufig sind eigene Erfahrungen im Kontext der pflegerischen Tätigkeit genannt, welche die Entscheidung über den Verbleib im Beruf beeinflussen können. Die Situation verschärft sich durch die Tatsache, dass aktuell der Altersdurchschnitt der Pflegefachpersonen 45 Jahre beträgt und spitzt sich noch zu, da eine nicht unerhebliche Anzahl der Befragten angibt, durch gesundheitliche Probleme bereits akut beeinträchtigt zu sein.

Schlussfolgerungen

Die hohe Beteiligungszahl an der Umfrage und die ausgeprägte und textintensive Eingaben die integrierten Freifelder lässt erkennen, dass die Umfrage von den Befragten als willkommene Chance zur Mitteilung genutzt wurde, um ihre Standpunkte der Öffentlichkeit darzulegen. Es zeigt sich hierdurch möglicherweise der Umstand, dass viel über Pflege und Pflegefachpersonen, aber nicht mit ihnen geredet wird. Endlich, durch die Umfrage mit ansprechenden Fragen, die Gelegenheit zu erhalten, sich über das eigene Arbeitserleben äußern zu können, spiegelt das hohe Interesse der Pflegefachpersonen an der Befragung wieder.

Um künftig Pflegefachpersonen für einen Wiedereinstieg zu gewinnen, sind zielgruppenspezifische Bedarfe von den politischen Akteuren und von Arbeitgebern im Gesundheitswesen aufzunehmen und zu berücksichtigen, so äußern sich die Befragten hinsichtlich der mutmaßlichen Wünsche für ihre potenziell rückkehrwilligen Kolleg*innen. Gleichzeitig sind politische Akteure alarmiert und Arbeitgeber gefordert, die Situation der aktuell Beschäftigten näher zu betrachten und durch passgenaue Maßnahmen ihren Verbleib zu fördern und somit den vorzeitigen Ausstieg und den drohenden Verlust vieler hochqualifizierten, erfahrenen, und neuerdings als systemrelevant eingestuften, Pflegefachpersonen abzuwenden. Wie sich aus der Befragung ergibt, sind hierfür die Felder Gehalt, Arbeitszeit, wertschätzende Organisations- und Führungskultur und Personalmanagement näher zu betrachten. All dies zahlt auf die Gesundheit und den beruflichen Wertekompass der Pflegefachpersonen ein.

Von großer Bedeutung und im Blick zu behalten ist auch, dass teilzeitbeschäftigte Studienteilnehmer*innen aufgrund der aktuellen Bedingungen kaum Interesse an einer Aufstockung ihres Stellenumfangs zeigen.

Fazit

Mit der Verbesserungen der Arbeitsbedingungen steigern Arbeitgeber nicht nur ihre Attraktivität für potenzielle Wiedereinsteiger*innen sondern schaffen möglicherweise gleichzeitig einen starken Anreiz zur Erhöhung des Beschäftigungsumfangs von Teilzeitbeschäftigten. Vor allem sichern sie den Verbleib der aktuell in Beschäftigung stehenden Pflegefachpersonen und erhöhen die Bereitschaft zur Beibehaltung des aktuellen Beschäftigungsumfanges.

Den ausführlichen Projektbericht, der am 11. Mai 2021 veröffentlicht wurde, finden Sie hier.

Die Präsentation der Veröffentlichung der Studie zum Internationalen Tag der Pflegenden 2021 finden Sie hier.

Einen Auszug mit den Stimmen der Pflegefachpersonen aus Schleswig-Holstein finden sie hier.

Die Präsentation der ersten Studienergebnisse aus dem Jahr 2020 finden Sie hier.

[1] In der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein sind insgesamt ca. 27.000 Pflegefachpersonen Mitglied

 

Kontakt

Andrea Kuhn

Projektleiterin & NetzwerkkoordinatorinForschungsnetzwerk Gesundheit

Ernst-Boehe-Str. 4
67059 Ludwigshafen

C 1.129+49 621 5203-244+49 152 21884938

Herr Prof. Dr. Stephan Weinert

Professor für Internationales Personalmanagement

Ernst-Boehe-Straße 4
67059 Ludwigshafen am Rhein

C 2.206+49 0 6215203-131